Stellenwechsel und schon über 50? – Pensionskasse prüfen!

Ratgeber aus der Basler Zeitung vom 02.04.2011:

Ältere Arbeitnehmer, die eine neue Arbeitsstelle lockt, sollten einen provisorischen Vorsorgeausweis verlangen

Karl Flubacher*

Die finanziellen Folgen eines PK-Wechsels können einschneidend sein. Es kann sich lohnen, vor dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags Prämien und Leistungen der neuen Pensionskasse abzuklären.

Wenn man sich für einen neuen Arbeitgeber entscheidet, sind normalerweise Kriterien wie die zukünftigen Aufgaben, der Lohn, der Arbeitsort und das Betriebsklima entscheidend. Kaum jemand erkundigt sich jedoch im Detail darüber, wie sich der Wechsel zu der neuen Pensionskasse auswirkt, bevor er einen Arbeitsvertrag unterschreibt.

Dabei können die finanziellen Folgen einschneidend sein – besonders für ältere Erwerbstätige. Einem höheren Lohn stehen möglicherweise deutlich schlechtere PK-Leistungen gegenüber. Es lohnt sich deshalb, das Reglement der neuen Pensionskasse und einen provisorischen Vorsorgeausweis zu verlangen, den man dann mit dem bisherigen vergleicht. So einen Ausweis kann die Pensionskasse in der Regel mit wenig Aufwand erstellen.

Ältere Stelleninteressenten sollten sich vor allem die Leistungen der neuen Pensionskasse genau anschauen, die sie bei der Pensionierung erhalten. Viele Versicherte wollen ihr PK-Guthaben oder zumindest einen namhaften Teil davon bei der Pensionierung in Kapitalform statt als Rente beziehen. Bei vielen Pensionskassen können die Versicherten wählen, welchen Anteil ihres Guthabens sie sich auszahlen lassen.

Altersguthaben. Einige Pensionskassen zahlen ihren Versicherten aber nur das in Kapitalform aus, wozu sie gesetzlich verpflichtet sind – nämlich 25 Prozent des obligatorischen Altersguthabens. Das übrige obligatorische und das überobligatorische Guthaben müssen die Versicherten als Rente beziehen.

Die Höhe der Altersrente hängt vom Umwandlungssatz ab. Der Umwandlungssatz für den obligatorischen Teil des Altersguthabens ist gesetzlich vorgegeben und folglich bei allen Pensionskassen identisch. Zurzeit beträgt der gesetzliche Satz für Männer 6,95 Prozent und 6,9 Prozent für Frauen. Bis 2014 sinkt er schrittweise auf 6,8 Prozent für beide Geschlechter.

Den Umwandlungssatz für überobligatorische Guthaben können die Pensionskassen selbst festlegen. Bei einigen Kassen beträgt er nur gerade 5,8 Prozent für Männer und 5,6 Prozent für Frauen. Ein überobligatorisches Altersguthaben von 300 000 Franken ergibt zum Beispiel bei einem Umwandlungssatz von 6,5 Prozent eine Rente von 19 500 Franken pro Jahr. Bei einem Satz von 5,8 Prozent ist die Rente 2100 Franken tiefer.

Wer mit dem Gedanken spielt, früher in Rente zu gehen, sollte prüfen, wie stark die neue Pensionskasse in so einem Fall den Umwandlungssatz kürzt, und ob sie den Bezug einer Überbrückungsrente anbietet, mit der sich ein Vorbezug der AHV-Rente vermeiden lässt.

Lebenspartner. Auch ein Blick auf die Leistungen bei Invalidität lohnt sich, denn mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, dass dieser Fall eintritt. Auch die Leistungen bei Tod sollten geprüft werden. Wer im Konkubinat lebt, sollte abklären, ob die Pensionskasse auch Renten an den Lebenspartner zahlt, und welche Bedingungen hierfür erfüllt sein müssen. Alleinstehende sollten fragen, wer ihr Altersguthaben nach dem Tod erhält. Nicht alle Kassen zahlen es den Hinterbliebenen aus, wenn der Versicherte keine rentenberechtigten Personen hinterlässt.

Einige Pensionskassen verlangen von neu eintretenden Versicherten eine Gesundheitsprüfung. Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen müssen damit rechnen, dass sie die Kasse nur unter Vorbehalt in überobligatorische Leistungen aufnimmt. Der Versicherte erhält dann zum Beispiel nicht die volle Invalidenrente, die im PK-Reglement vorgesehen ist, sondern nur die gesetzliche Mindestrente, wenn er aufgrund eines gesundheitlichen Problems invalid wird, das bereits zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Pensionskasse bestand.

Karl Flubacher, VZ VermögensZentrum.

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