Posts tagged ‘Pensionskassen’

Rettet Ständerat Rentenreform?

Morgen Mittwoch wird der Bundesrat seine Botschaft zur Reform der Altersvorsorge präsentieren. Die folgenden Artikel der letzten Tage helfen zu verstehen, worum es dabei geht. Sie sind so gut geschrieben, dass sich weitere Kommentare erübrigen. Machen Sie sich schlau!


Bote der Urschweiz; Neue Luzerner Zeitung; 14.11.2014 Seite 18 Inland
, Tobias Gafafer


Vorsorge Der Ständerat berät die Rentenreform zuerst. Bundesrat Alain Berset rechnet dadurch mit grösseren Chancen. Den taktisch wichtigen Entscheid fällten zwei Politiker.

Es ist die wichtigste innenpolitische Vorlage der kommenden Jahre. Am nächsten Mittwoch soll der Bundesrat die Botschaft zur grossen Rentenreform ans Parlament verabschieden. Bevor er sich damit befasst, ist hinter den Kulissen bereits ein intensives taktisches Seilziehen entbrannt. Politiker streiten sich, ob zuerst der Ständerat oder der Nationalrat die Vorlage behandeln soll. Sozialminister Alain Berset setzte sich dem Vernehmen nach persönlich für den Ständerat ein.

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«Bersets Paket macht Sinn»

Grundlegende Reformen um die Altersvorsorge an die veränderten demographischen und ökonomischen Herausforderungen anzupassen sind notwendig, sagt ein Professor der Universität St.Gallen (HSG). Im Interview mit dem St. Galler TagblattI äussert sich Walter Ackermann aber wenig optimistisch über ein baldiges Gelingen einer grossen Rentenreform. Er stellt fest: «Wegen der Zunahme der Lebenserwartung ist Rentenalter 67 mittelfristig zwingend.»


St. Galler Tagblatt; 12.11.2014 Seite 3hb St. Galler Tagblatt Thema
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ROLF APP

 

Milliardendefizite, Rentenalter 67 und Solidarität zwischen Arm und Reich: HSG-Professor Walter Ackermann zur Zukunft der Schweizer Altersvorsorge.

Schon in der Vernehmlassung sind die Vorschläge des Bundesrates zu einer Reform der Altersvorsorge von allen Seiten mit Kritik quittiert worden. Warum ist es so schwer, in der Altersvorsorge Mehrheiten zu finden, Herr Ackermann?

Walter Ackermann: Sozialpolitik ist in einer Demokratie eines der wichtigsten Instrumente zur politischen Machtsicherung. Alle Parteien schützen die Interessen der von ihnen vertretenen Wähler. Dies verhindert häufig zweckmässige Lösungen und führt zu einem Reformstau. Dabei liegen genügend Daten vor, die eine wirksamere und nachhaltigere Politik ermöglichen würden.

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Die finanzielle Lage der Pensionskassen hat sich verbessert

Zahlreiche Medien haben Anfang November berichtet, die finanzielle Lage der Pensionskassen habe sich verbessert. 

Die Unterdeckung der Vorsorgeeinrichtungen nahm im Jahr 2013 weiter ab, um rund 11 Prozent auf 33,8 Milliarden Franken. Das Gesamtvermögen belief sich auf 717,9 Milliarden Franken, knapp 7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insgesamt zählten die Vorsorgeeinrichtungen Ende 2013 3,9 Millionen aktive Versicherte, 2 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) gestern mitteilte. 664 430 Pensionierte bezogen eine Rente, 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2013 wurden fast 20 Milliarden Franken Altersrenten ausbezahlt, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kapitalleistungen bei Pensionierung stagnierten erstmals bei 5,9 Milliarden Franken (minus 0,3 Prozent). Der Durchschnittswert des Kapitalbezugs nahm weiter ab, um 0,6 Prozent auf 170 200 Franken. Die gestern veröffentlichten Zahlen sind provisorisch.  (sda)

 

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Mit viel Extrageld aufgepeppt

Höhere Pensionskassen-Beiträge sollen es laut dem Reformvorschlag «Altersvorsorge 2020» ermöglichen, den Rentenumwandlungssatz doch noch zu senken. Der grösste Teil der Beschäftigten zahlt aber schon heute mehr in die Pensionskasse ein, als vom BVG vorgesehen ist. Nicht nur Pensionskassen grösserer Unternehmen und der öffentlichen Hand tun dies, sondern auch die meisten KMU gehen über das BVG-Obligatorium hinaus, so zeigt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Der Bericht aus der Zeitung Finanz und Wirtschaft:

 

Finanz und Wirtschaft; 01.11.2014; Seite 17; Unternehmen; Thomas Hengartner


Höhere Sparbeiträge sollen die berufliche Vorsorge sanieren. Die Beschäftigten zahlen meist heute schon mehr als verlangt.


Für die berufliche Vorsorge sollen Beschäftigte und Arbeitgeber jährlich zusätzliches Geld einzahlen. Damit will der bundesrätliche Reformvorschlag «Altersvorsorge 2020» die Voraussetzung schaffen, den gesetzlich festgeschriebenen Rentenumwandlungssatz trotz der 2010 verlorenen Volksabstimmung doch zu senken. Die meisten Beschäftigten zahlen jedoch bereits heute mehr in ihre Pensionskasse, als vom Vorsorgegesetz BVG verlangt wird. Oft bleibt unerkannt, dass die vom Arbeitgeber mitgetragene ergänzende Vorsorgefinanzierung eine wesentliche Salärkomponente ist.

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Die Bank will den Hauskauf nicht finanzieren

Was gilt es zu beachten beim Wunsch eines Hauskaufs, vor allem wenn die Eigenmittel dafür eher bescheiden sind? Der Vorbezug von Pensionskassengeld ist ohnehin voll eingeplant. Nun will die Bank den Rest der Immobilien-Kaufsumme aber nicht finanzieren. Was ist zu tun, was ist realistisch? Ein Ratgeber aus der Neue Luzerner Zeitung:


Neue Luzerner Zeitung; 12.09.2014 Seite 34lzhp Neue Luzerner Zeitung Wetter Ratgeber

 

Hauskauf · Wir (Ehepaar 40 und 36, zwei Kinder) haben ein Bruttoeinkommen von rund 100 000 Franken pro Jahr und ein Vermögen von rund 80 000 Franken. Wir möchten nun ein Haus für 850 000 Franken kaufen und haben uns das so vor­gestellt: Eigenmittel 210 000 Fr. (130 000 PK-Vorbezug, 80 000 eigene Mittel) und eine Hypothek von über 640 000 Fr. Das könnten wir bei den heutigen tiefen Zinsen mit 1,4 Prozent über fünf Jahre problemlos bezahlen. Wir haben bisher keine Bank gefunden, die uns den Rest finanzieren will. A. K. in L.

 

Grundsätzlich müssen 20 Prozent der Liegenschaft durch eigene Mittel finanziert werden. Mindestens die Hälfte der 20 Prozent muss aus eigenen, privat gesparten Mitteln stammen. Den Rest können Sie vorerst noch aus der Pensionskasse beziehen. Solange bei den Eigenmitteln 10 Prozent aus privaten Mitteln kommen, können Sie aktuell auch mehr als 10 Prozent aus der Pensionskasse beziehen. Beachten Sie aber, dass auf den Bezug der PK-Gelder noch Steuern bezahlt werden müssen: In der Stadt Luzern wären das 6100 Franken ohne Kirchensteuer. Auch muss überprüft werden, ob und wie sich die Leistungen innerhalb der Pensionskasse durch den Bezug verändern.

 

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«Gewerkschaft und Bundesrat gegen Versicherungen»

Die Handelszeitung schreibt «Gewerkschaft und Bundesrat gegen Versicherungen». In der Tat handelt es sich hier um eine sehr heikle Angelegenheit. Einerseits müssen die Lebensversicherer Gewinne mit der zweiten Säule machen, denn anders als autonome Pensionskassen – die Mehrheit der Pensionskassen – müssen sie das Kapital der zweiten Säule, das sie verwalten, rückversichern. Das erfordert die so genannte Kapitalgarantie, weshalb dieses Modell auch für viele KMU sehr interessant ist, die im Falle einer Unterdeckung eben nicht zu Sanierungszahlungen gezwungen werden. Andererseits war es tatsächlich vom Gesetzgeber nicht so gemeint, dass die Lebensversicherer 10% vom Umsatz bekommen, sondern nur 10% vom Gewinn. Vor allem aber leiden unter dem Vertrauensverlust, der hier entsteht auch die autonomen Pensionskassen, die immer wieder mit den Lebensversicherern in einen Topf geworfen werden; obwohl es sich bei ihnen um nicht-profitorientierte Stiftungen handelt, die alle «Gewinne» vollumfänglich an die Versicherten ausschütten.
Hier nun der Artikel:

 

Gewerkschaft und Bundesrat gegen Versicherungen

Der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse kritisiert einmal mehr die Millionengewinne der Lebensversicherer mit dem Geschäft der zweiten Säule. Allein im letzten Jahr schöpften die Versicherer aus der beruflichen Vorsorge 678 Millionen Franken an Gewinnen ab.

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Die Reform, die nicht scheitern darf

Gestern nahmen wir an einer Veranstaltung des ASIP mit Bundesrat Berset teil und twitterten live. Eigentlich war ein Blogbeitrag über die Veranstaltung geplant, doch verschiedene Zeitungen haben eine sehr gute Zusammenfassung publiziert. Der Einfachheit halber zitieren wir diese Artikel unten. Nur eines wäre noch hinzuzufügen: die Reform darf wirklich nicht scheitern, denn wenn wir noch einmal zehn Jahre warten müssen, werden die Probleme in der Zwischenzeit derart gigantisch, dass man sich gar nicht ausmalen kann, wie sie unter Beibehalt der sozialen Sicherheit noch gelöst werden können. Wir werden immer älter und es werden immer weniger Arbeitnehmer, die immer mehr Rentner finanzieren müssen. Das dürfen wir nicht ignorieren. An das Parlament geht der Appell, die Arbeit nicht zu verweigern, sondern die Reform verantwortungsbewusst anzupacken. Wahljahr hon oder her…

Und hier der Artikel, wie er in diversen Zeitungen stand: Continue reading ‘Die Reform, die nicht scheitern darf’ »

Mindestzinssatz: Gewerkschaften erzählen wieder nur die halbe Wahrheit

Schon wieder kritisieren die Gewerkschaften, der Mindestzins sei zu niedrig (siehe unten). Das Thema begleitet uns nun schon seit Jahren. Dabei verschweigen die Gewerkschaften die Tatsache, dass man nicht gleichzeitig einen hohen Umwandlungssatz und einen hohen Mindestzins verlangen kann. Unser Artikel vom 13. Januar 2013 erläutert dies.
Ausserdem empfehlenswert: unser Video über die Stellschrauben der zweiten Säule.

 

Mindestzinssatz: 2 Prozent wären vorsichtig und möglich

 

 

Bern (ots) - Heute hat der Bundesrat entschieden, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge für 2015 bei 1.75 Prozent zu belassen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, kritisiert diesen Entscheid, angesichts der guten Resultate von Aktien und Immobilien im vergangenen Jahr sind die 1,75 Prozent mickrig.

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«Pensionskassen verkaufen Aktien wegen Minder-Initiative»

Die folgende Meldung gibt zu denken, wenn man sich dessen bewusst ist, dass Aktien bei Pensionskassen langfristig bessere Renditen bringen als viele andere Anlagemöglichkeiten. Mit den Annahme einer Stärkung der Aktionärsrechte – und um nichts anderes handelte es sich bei der Minder-Initiative – haben wir also gleichzeitig eine Initiative angenommen, die uns langfristig die Renten senken wird… Das Beispiel zeigt, wie gut überlegt man abstimmen sollte und wie wichtig eine fundierte und ausgewogene Information ist. Sich an Parolen zu orientieren, die zunächst einmal vermeintlich gut und vernünftig klingen, war schon immer gefährlich. Machen Sie sich schlau!

BVG-aktuell – Vorsorgeforum – Portal zur 2. Säule


Wenn die Kassen Aktien von börsengehandelten Schweizer Unternehmen besitzen, müssen sie ab 2015 im Sinne ihrer Versicherten abstimmen. «Viele Stiftungsräte wollen diesen Zusatzbelastung nicht auf sich nehmen», sagt Beat Zürcher, Geschäftsleiter des Stiftungsräte-Fachverbands SRPK. «Die Mitglieder der Stiftungsräte sind mehrheitlich Laien». Sie seien durch das Amt ohnehin stark belastet. Zürcher geht davon aus, dass deshalb besonders kleine und mittlere Pensionskassen nun ihre Aktien verkaufen, schreibt der Tages-Anzeiger.

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Schweizer Vorsorgesystem auf fünftem Rang

In einem internationalen Vergleich schneidet das Schweizer Vorsorgesystem gut ab. Bewertet wurden die Vorsorgesysteme von 25 Ländern, darunter kam die Schweiz auf Rang 5, doch stieg die Schweiz gegenüber 2013 um einen Platz ab. Unter dem Titel “Schaulaufen für die Altersvorsorgesysteme“ hat die Neue Zürcher Zeitung am Mittwoch (14.10.) die Erfolgsmeldung im Titel nicht nur einfach wiedergegeben – wie viele andere Zeitungen – sondern sie auch gleich noch einer kritischen Analyse unterzogen:

 
Absehbar grosse Finanzlücken in den Nachbarländern Italien und Österreich. In sechster Auflage vergibt der von Mercer entwickelte «Pension Index» nur Dänemark eine A-Note. Die Schweiz verbesserte sich, wenn der Kapitalbezug von BVG-Geldern eingeschränkt würde, was aber fragwürdig ist.


Werner Enz

Die Nachhaltigkeit von Altersvorsorgesystemen wird seit einigen Jahren vorab infolge der ultraniedrigen Zinsen, jedoch auch wegen der oft schwindsüchtigen Staatshaushalte einer Belastungsprobe ausgesetzt. Die demografischen Herausforderungen sind bekannt, die steigende Lebenserwartung wird vor allem den in der Umlage finanzierten Pensionssystemen zusetzen, wenn das Rücktrittsalter nicht erhöht wird. Die Autoren des in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies entwickelten «Melbourne Mercer Global Pension Index» sehen grosse finanzielle Belastungen auf die Gesellschaft zukommen. Nicht nur schwach entwickelte Volkswirtschaften wie Indien oder Indonesien sitzen in diesen Belangen auf einer Zeitbombe.

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